Israel

Der Rückweg: von Jerusalem nach Kairo

Da jüdisches Neujahr ist und in Israel für drei Tage keine öffentlichen
Verkehrsmittel fahren, haben wir beschlossen einen direkten Bus von Jerusalem
nach Kairo zu nehmen. Also warten wir am Donnerstagmorgen in Jerusalem auf
den Bus. Zusammen mit einer britischen Lady aus Brasilien und noch einem
Paar aus der USA geht die Fahrt los. Unterwegs stellen wir fest, dass der Fahrer
kein Englisch kann... Er fährt zu der Grenze, über die wir nach Israel
reingekommen sind - wir wollen aber nicht nach Jordanien, sondern nach
Ägypten! Ein Grenzposten ist da und es heißt anstehen, nur um dann wieder
umzudrehen und Richtung Elat, zur Grenze nach Ägypten zu fahren... Dort werden
wir an der Grenze rausgelassen und holen uns den Ausreisestempel (auf das
extra Papier). Ein bisschen Laufen und dann sind wir im ägyptischen
Grenzposten. Hier herrscht Chaos, alles geht drunter und drüber, grosse
Reisegruppen sind da und Leute die uns anquatschen. Ja, wir sind wieder in
Ägypten. Wir holen uns den Einreisestempel (leider nicht auf ein extra Papier),
wimmeln die ganzen Minibusfahrer ab und suchen uns ein schattiges Plätzchen.
Doch wie finden wir jetzt den Bus, der uns nach Kairo bringt? Wir warten einfach
und nach einer Weile kommt mal wieder ein Kerl auf uns zu, er ist von dem
Busunternehmen. Dann will er (Mohammed heisst er) das Geld haben für die
Busfahrt und wir müssen erstmal mit ihm diskutieren, dass wir ihm nicht das
Geld für die Ausreise aus Israel zahlen (haben wir ja schon an der Grenze aus
eigener Kasse), welches aber eigentlich inklusive war... Nach langen
Diskussionen geht es dann endlich los, in einem Minibus, mit zwei Fahrer,
Mohammed und noch einem Sicherheitsmann mit Waffe. Das ist hier Vorschrift,
wenn man aus Israel ausreist. Wir sind uns nicht so einig, ob wir uns jetzt
sicherer fühlen oder nicht. Stundenlang geht die Fahrt über die Sinai-Halbinsel,
durch Wüste. Das einzige was es zu sehen gibt sind Kamele und Autowracks.
Irgendwo im nirgendwo gibt es eine Pause und eine weitere dann als es dunkel
ist und unsere Fahrer und Beschützer endlich essen dürfen. Ein Pfund kostet es
auf Toilette zu gehen und da wir noch keine Pfund haben, gibt uns ädels der
Fahrer Geld, sehr nett. Die Fahrt geht weiter, wir nähern uns Kairo. Mohammed
fängt noch ein Gespräch mit uns Mädels an, darüber, dass Heirat doch das
einzige Wahre ist. In Kairo fragen wir dann, ob sie uns in der Nähe unseres
gebuchten Hostel rauslassen können und es heisst nein. Als Matthias meint,
dass wir hier gerne aussteigen wollen, geht es plötzlich doch. Es ist dunkel und
wir sind wieder in Kairo, in der Nähe des ägyptischen Museums. Und es fällt uns
wieder schwer, die große Straße zu überqueren. Im „Australian Hostel“, in dem wir
zu Beginn unserer Reise auch schon waren, erkennen sie uns wieder. Wir
bekommen das gleiche Zimmer. Unsere Reise geht da zu Ende, wo sie auch
angefangen hat.

Am nächsten Morgen, unserem letzten Tag in Ägypten, laufen wir zum Markt, um
noch ein paar Souvenirs zu kaufen. Wir hören wieder die üblichen Sprüche („oh,
lucky man! Three wifes! Casanova!“) und werden ein paar Pfund ärmer und ein
paar Sheeshas reicher. Ramadan ist seit gestern Abend vorbei und man merkt
es. Es wird geraucht, getrunken und gegessen und wir haben das Gefühl, dass
sie alle ein bisschen besser gelaunt sind. Eine Gruppe von Mädchen spricht uns
auf der Straße an, packt ihren ganzen Englisch-Wortschatz aus und macht dann
noch ein Foto mit uns. Am Abend, als wir Essen gehen, sind die ganzen Straßen
voller Menschen. Es fahren fast keine Autos mehr, alle Geschäfte bis auf die
Restaurants haben geschlossen. Wir laufen ein letztes Mal durch die Straßen von
Kairo, geniessen die Lebendigkeit. Als unser Fahrer schon da ist, bemerken wir,
dass wir den ganzen Tag eine falsche Uhrzeit hatten. Die Uhr wurde wegen
Ramadan eine Stunde zurück gestellt und nun wieder vor. Wir verabschieden uns
und auf geht es zum Flughafen, mit Eslam, der uns vor drei Wochen schon
abgeholt hat. Und wieder gibt es gute ägyptische Musik. Im Flughafen werden die
Sheeshas verstaut und die Rucksäcke aufgegeben. Der Flug ist ruhig, wir
schlafen. In München werden wir von unserer Mutter begrüßt. Es geht zurück nach
Stuttgart, wo wir ein letztes Mal gemeinsam essen, dieses Mal aber ein
schwäbisches Essen: Maultaschen mit Kartoffelsalat!

 

Jerusalem

…nach der langen Fahrt ohne Essen und ohne Schlaf sehen wir, nach langem
Warten an der Grenze, endlich die schöne Stadt Jerusalem. In Jerusalem
ausgestiegen machen wir uns, mitten durchs Getümmel und durch die
Stadtmauer, auf die Suche nach einem Hostel. Der erste Fund ist ziemlich zentral
und ziemlich teuer. So ziehen wir weiter in den neuen, modernen Teil von
Jerusalem und finden ein etwas billigeres Hostel, wo wir Mädels in ein
Mädchendorm und Matthias ins Cave kommt. Ja, eine Höhle hinter der
Abstellkammer mit dicker Luft und keinem Fenster, für etwas weniger Geld. Zuerst
machen wir uns auf den Weg unsere leeren Mägen wieder zu füllen und werden
bei einem leckeren Falafelstand fündig. Mit aufgepumpten Mägen stiefeln wir los
in Richtung Altstadt. Der Wechsel von dem hochmodernen Teil in das Innere von
Jerusalem ist sehr beeindruckend und enorm. Wir streifen völlig orientierungslos
durch die Gassen (für Israel haben wir keinen LP) und stehen plötzlich vor der
Klagemauer. Anna-Lena und ich trotteln gedankenversunken Matthias hinterher,
bis wir plötzlich nur noch von Männern umgeben sind und beschämt von der
Männerabgrenzung in den Frauenabteil wechseln. Dieser Abteil ist richtig voll und
so kommen wir nicht sehr nah an die Mauer heran. Danach machen wir noch ein
paar Beweißfotos und später, ein wenig müde, auf den Weg ins Bett.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, treffen uns mit einem deutschen
Pärchen (in Jerusalem wimmelt es von deutschen Touristen) und laufen los zum
Jaffa Gate, der Treffpunkt für die Free Tour. Unser Guide führt uns mit lustigen und
netten Erzählungen durch die verschiedenen Vierteln von Jerusalem. Der Wechsel
von einem armenischen Viertel in ein christliches ist kaum zu übersehen,
genauso wenig wie der Übergang von einem jüdischen Viertel in ein
muslimisches. Wahnsinnig, wie vier so verschiedene Extreme so eng
beieinander leben können und doch so getrennt wohnen.

An diesem Tag erfahren wir, dass ab Donnerstag, an dem Tag, an dem wir zurück
nach Kairo wollten, hier in Jerusalem das Neujahrfest der Juden beginnt. Der
ganze Verkehr soll an diesem Tag flach liegen und die Straßen leer sein. Wir
bekommen leicht Panik, dass wir es nicht mehr rechzeitig zu unserem Flug nach
Kairo schaffen und so buchen wir eine teure Busfahrt welche uns direkt nach
Kairo führen soll.

Zum Sonnenuntergang (wir sind jetzt wohl Experten in allen möglichen sunrises
und sunsets) laufen wir auf den Ölberg und genießen wieder einmal ein sehr
schönes Bild.

Danach sehen wir Mädels in der Fußgängerzone eine wahnsinnig gute Gruppe
Jugendlicher, die zu improvisierender Musik, von einem Schlagzeuger und einem
Gitarristen, tanzen. Die haben es echt drauf, ein Mix aus Jumstile und Streetdance!

Für den nächsten Tag haben wir uns vorgenommen, uns mal das Tote Meer
genauer anzusehen und nicht nur vorbei zu fahren. Matthias ist der Erste, der ins
Tote Meer springt und dann einen Lachflash bekommt. Als wir drei dann auch im
Wasser sind verdreifachen wir das Geschrei und so sind wir zu viert wohl doch
ziemlich laut ;-) Es ist einfach sehr witzig wie man versucht zu schwimmen und es
einfach nicht klappt. Es ist aber eine sehr salzige Angelegenheit und für die Augen
nicht ganz ungefährlich. An diesem letzten Abend in Jerusalem stöbern wir noch
durch die Innenstadt und lassen den Tag noch schön ausklingen.

--- Ulrike