Vorbereitung

Bald...

Still round the corner there may wait
A new road or a secret gate,
And though we pass them by today,
Tomorrow we may come this way
And take the hidden paths that run
Towards the Moon or to the Sun.
Fellowship of the Ring - J.R.R. Tolkien

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...

Unsere Fahrtenlieder sind voll davon. Die Sehnsucht nach der Ferne, das Entdecken
fremder Länder, der Zauber der Natur. Fahren ja Fahren. Auf Berggipfeln stehen und
den Blick in die Ferne schweifen lassen. Sonnenauf- und Sonnenuntergang erleben,
sich die ganze die Welt zum zu Hause machen, frei wie ein Vogel sein. Und dann ist
alles so banal. Die Idee - da will ich mal hin. Einfach so. Der Blick in Bücher,
Zeitschriften, Internet. Klingt toll. Und jetzt? Termin finden. Urlaub nehmen. Flüge
suchen. Ausrüstung, Reiseimpfungen erste Vorbereitungstreffen. Ein Forum wird
eröffnet. Asien 2010, ganz technisch. Oder Neapelfahrt (für die Berufslegastheniker)
oder Yeti-Jagd (für die Reinhold-Fans) - wie auch immer... In einem Film von vor langer
Zeit steht ein Mädchen mit quietschroten Haaren und schreit. Dann tickt eine Uhr. Ich
warte. Ich warte. Ich warte. Ein seltsames Gefühl, dieser Konflikt zwischen
romantischer Vorstellung und dem seltsam realen Vorbereitungswahnsinn. Beim Blick
in andere Blogs und Reisetagebücher mit Fahrtenberichten entdecke ich das gleiche
Phänomen. Da steht ein Gedicht, ein Zitat, ein Liedtext vorne drauf. Spiegelt die
Sehnsucht der ewig Reisenden. Meist ziert ein Foto die Eingangsseite.
Sonnenuntergänge, schneebedeckte Gipfel oder Traumstrände. Manchmal grinsen mir
auch die jeweiligen Urheber glücklich in der Landschaft posierend vom Bildschirm
entgegen. Der nächste Klick, vielleicht noch ein Gedicht? Dann geht es los. Die Seiten
sind voll von dem, was wir in der Redaktion "Hardfacts" nennen. Planungsabläufe,
Daten, Termine. Geimpft? Visum besorgt? Flugticket dabei? Die Erlebnisberichte
bleiben meist auch eher sachlich. Da ist das Essen besonders lecker, von dort nach
dort ist die beste Wanderstrecke, der Zeltplatz xy hat warme Duschen und das Hostel
z hat kostenlosen Internetzugang. Kulinarische Höhepunkte, abenteuerliche
Busfahrten auf Hochlandpisten und Reisedurchfall. Manche – vielleicht die Gründlichen
unter den Bloggern – gehen noch ins Detail. Länderkunde, Zahlen, Fakten und dann
und dann wurde der Palast gebaut, der auf dem Foto zu sehen ist. Wo ist die
Sehnsucht geblieben? War sie je da? Oder ist sie so allgegenwärtig, dass sie uns
normal erscheint? Kommt sie erst beim ersten Sonnenaufgang am Gipfel? Oder dann,
wenn man wieder zu Hause ist und wehmütig die Fotos betrachtet? Antworten darauf
habe ich keine. Noch nicht. Kann ja noch kommen. In 5 Wochen geht es los!

---- Krascha

Vorbereitungen... wie immer...

Während Wanja und Toni schon unterwegs sind in China basteln wir noch an
unseren Ausrüstungen und ärgern uns mit den Indischen Visa Agenturen rum.
Unglaublich, die leben immer noch im Mittelalter. Die wollten allen ernstes von dem
Visumgeld tatsächlich einen kopierten Überweisungsbeleg der Bank haben, als ob
heute noch jemand zur Bank geht... ! Unglaublich.

Langsam fügt sich alles zusammen, in weniger als 3 Wochen fliegen wir! Der Stress
wird langsam immer mehr, so viele Dinge zu organisieren...

Wanja hat mehrere E-Mails aus China geschrieben welche ich die nächsten Tage zu
einem Beitrag zusammenfügen werde.

 

-- Knuepfer / Matthias

Ein Sonntag im Februar

Der ICE rauscht zurück nach Köln. Ereignisreiches Wochenende. Jetzt sickert die
Summe der Eindrücke langsam tiefer ins Bewusstsein. Lieber nicht so viel denken.
Der Laptop auf dem Tisch, der MP3 Player im Ohr, zwischendurch klingelt das Handy.
Eigentlich keine Hektik, eher Geschwindigkeit als Normalzustand. Das Herz ganz wo
anders. Ich habe das Gefühl, ich reise ihm immer hinterher. Und wenn ich es einhole,
dann bleibt ein Stück davon liegen und der Rest verschwindet zum nächsten Ort.
So schnell, dass ich nur schwer hinterher komme. Ob es davon immer kleiner wird?
Ein großes Stück davon liegt auf dem Krähen. Wenigstens da finde ich immer wieder
hin.
Sehnsucht nach der Ferne, die in greifbare Nähe rückt - ich hoffe, ich kriege den Kopf
frei. Wer weiß schon, was richtig oder falsch ist.
Mehr Romantik, weniger Technik? Schließt sich das aus? Sonnenuntergänge am
Meer oder "wo bleibt mein Visum?". Singen am Feuer oder "wann geht der nächste
Bus?". Erhabene Ausblicke von schneebedeckten Gipfeln oder "hoffentlich wird keiner
Höhenkrank?". Aus den Gedanken wird noch ein Artikel fürs Steppenheft der Grauen
Reiter.
Aus den Kopfhörern raunt ein alternder Rockstar: "This aint no technological
breakdown. This is the Road to Hell."

Was weiß der schon?

- Krascha

Der Wahnsinn...

Warum bringt ein Urlaub eigentlich erst mal Stress?
All die Arbeit die weg geschaufelt werden will und dazu
die Vorbereitungen... Manchmal fragt man sich schon ob es das
Wert ist. Vor allem wenn der Urlaub selbst auch (wohlgemerkt
positiver) Stress wird. Andere legen sich für zwei Wochen
an den Strand oder drücken, unterstützt von viel Tequila
den chemischen Reset Knopf im Gehirn um sich auszuklinken.
Bei uns könnte man quasi sagen
fünf idiotische Pfadis gehen für fünf Wochen nach Asien und haben Spaß!

Irgend wie freue ich mich schon darauf, in zwei bis drei Wochen
irgendwo im nirgendwo zu stehen und durch den Anblick von Bergen
der viel gerühmten Tiefenentspannung hinzugeben. So seltsam es
klingt, aber ich finde einen chaotischen Markt irgendwo in
Asien entspannender als am Strand zu liegen... Im Rückblick
zumindest.

Der Affe ist fast gepackt, die letzten Vorbereitungen laufen,
am Samstag gehts nach Frankfurt an den Flughafen. Viel Spaß
hatten wir mal wieder beim Visa beantragen. Die Indischen
Visa Agenturen die das ganze für manche Konsulate übernommen
haben verursachen ein recht hübsches Chaos. Da das hier alles
zerhackt ist und nur Anträge aus der jeweiligen Region
akzeptiert werden musste ich für vier Reisepässe 3 verschiedene
Briefe wegschicken. Zwei Pässe an das Generalkonsulat in
München, zuständig für Süddeutschland. Der Rest der Konsulate
hat das ausgelagert zu Agenturen. Sprich mehr Gebühren, und
absolute Unfähigkeit. In der Beschreibung steht, man soll
ihnen unbedingt den Original Überweisungsträger mit dem
Antrag mitschicken. Wie bitte? Überweisungsträger? So was
habe ich glaube ich mal im Deutschen Museum in München gesehen,
irgendwo neben einer Holorit Maschine von IBM und einem
Röhrenradio das in Fritz Langs Metropolis zu sehen war.
Also angerufen und gefragt ob sie es auch akzeptieren wenn
wir zeitgemäß im voraus überweisen und das im Beipackzettel
zum Einschreiben passend erwähnen. Klar meinte der Kerl den
ich nach vielen Versuchen am Telefon hatte. Also Anträge raus.
Nach zwei Wochen wurden wir langsam nervös. Dann kamen zwei
Briefe zu mir, mit einer total wirren Adresse, jeweils meine
Geschäftsanschrift wirr gemixt mit dem Namen der Antragsteller.
Mein Chef fragte mich schon ob wir ein paar neue Mitarbeiter
hätten von denen er nichts weiß. Beide Briefe enthielten
unterschiedliche schreiben die darauf hinzudeuten schienen das
da wohl kein Geld angekommen sei. Einer war echt nett, einfach
die komplette Anforderungsliste an einen Einwanderer nach
Indien, inklusive Einladung der Arbeitsstelle,
Geschlechtsnachweis und so weiter.

Die zwei Zeilen in denen steht das man Zahlen soll und den
Überweisungsträger schicken waren unterstrichen.
Nicht so einfach das erst mal zu verstehen was die da wollten.
Also angerufen, nach Stunden langen versuchen hab ich echt
jemanden erreicht. Meine Erklärungsversuche, was Online Banking
ist brachten erst mal die Antwort: Dann Fax halt den
Überweisungsträger. Der Hinweis, den Bildschirm aufs Fax zu
legen sei irgendwie unsinnig ließ ihn langsam verstehen.
Zumindest war es dann ok, einfach die Daten der Überweisung
per Mail zu schicken. Das ein einfacher Blick in ihre eigenen
Bankunterlagen gereicht hätte um diesen Stundenlangen Stress
und eine Woche Verzögerung zu sparen.... Naja, egal.
Eine Woche Später kamen die Pässe endlich an, mit drei
normalen, Double Entry Touristenvisa und, seltsamer weise,
mit einem Multiple Entry Visa...

Toll war auch mein Besuch bei der Kreissparkasse, der mir mal
wieder gezeigt hat das diese Bank, was die Vernetzung angeht
immer noch irgend wo im Kleinstaaten Denken des 19ten
Jahrhunderts fest steckt. Wenn ich als Kunde der
Kreisspaarkasse Rottweil nicht mal in Echterdingen auf die
Bank kann um mir ein paar US-Dollar zu kaufen (abgesehen
davon das die eh eigentlich nix wert sind) weil ich ja nicht
Kunde bei "Ihnen" bin... Da hörts halt irgend wie auf.

-- Knuepfer / Matthias

Es geht los...

Wanja hat aus Peking schon geschrieben, sie warten auf unsere Ankunft, und wir
sollen ihm Baterien mitbringen. Gut zu wissen das die Chinesischen immer noch
so schlecht sind das sie nur 10 Sekunden halten.

Morgen gehts für uns restliche Vier an den Frankfurter Flughafen, ab ins Abenteuer!
Noch etwas packen, die restlichen Kleinigkeiten richten...
Dann die Hektik und der Stress gefolgt von Klimaschock, Jetlag und Kulturschock.

Angekommen werden wir versuchen uns so oft wie möglich zu melden, jeh nach dem in
welchem Teil Chinas wir sind. Der Teil der noch im Mittelalter
hängt, oder der Teil
der bereits im 21. Jahrhundert ist (oder schon im 22.?).

Wir sind voller Märchen und Legenden...

...mal schauen.

 

-- Knuepfer / Matthias